Liebe Freund*innen,
Nürnberg gehört laut aktuellem Sicherheitsbericht zu den sichersten Großstädten Deutschlands.
Eine gute Nachricht und ein Verdienst der engen Zusammenarbeit von Ordnungsbehörden,
Polizei, Prävention und Zivilgesellschaft. Und doch erzählt uns dieser Bericht nicht die ganze
Geschichte. Denn er sagt uns fast nichts darüber, wie sicher sich Frauen und Mädchen in dieser
Stadt tatsächlich fühlen. Geschlechtsspezifische Zahlen fehlen darin komplett.
Das ist kein Zufall, sondern eine blinde blinde Stelle, die wir seit Jahren benennen. Wie groß die
Lücke ist, zeigen aktuelle Studien: In einer bundesweiten Erhebung von TERRE DES FEMMES und
Bolt aus dem Herbst 2025 gaben 59 Prozent der befragten Frauen an, sich nachts zu Fuß
unsicher zu fühlen, 71 Prozent meiden aus Sicherheitsgründen zeitweise den ÖPNV, und 41
Prozent haben schon einmal auf eine Veranstaltung verzichtet, weil ihnen der Heimweg zu
unsicher war. Auch die Nürnberger KJR-Studie „Wie kommst du von A nach B?“ zeigt: 28 Prozent
der befragten jungen Frauen wurden bereits sexuell bedrängt. Das sind keine gefühlten,
sondern belegte Zahlen, die eindeutig zeigen, dass Sicherheit keine Selbstverständlichkeit ist,
sondern eine Frage von Geschlecht, Tageszeit und Ort.
Deshalb haben wir im Stadtrat einen umfassenden Antrag gestellt: er fordert die Verwaltung
auf, bestehende Angebote für Frauen und Mädchen zu bündeln und ausreichend auszustatten,
Konzepte für mehr Sicherheit im öffentlichen Raum vorzulegen. Hierzu liefert unser Antrag auch
konkrete Ideen und Ansätze, wie bessere Beleuchtung, keine dunklen Ecken, geschultes
Sicherheitspersonal, ein schnelles digitales Meldesystem und Selbstbehauptungskurse für alle
Mädchen. Dabei ist eines besonders wichtig: Frauen und Mädchen selbst als Expertinnen ihres
Alltags einzubeziehen.
Es geht nicht darum, Angst zu schüren. Nürnberg ist für die allermeisten Menschen die meiste
Zeit ein sicherer Ort. Es geht darum, eine strukturelle Lücke zu schließen, denn Politik kann nur
gestalten, was sie sieht. Wenn geschlechtsspezifische Zahlen im Sicherheitsbericht fehlen, fehlt
uns eine Grundlage für gute Entscheidungen. Sie zu erheben, zu veröffentlichen und ernst zu
nehmen, wäre schon ein erster, machbarer Schritt.
Dieser Antrag fällt nicht vom Himmel. Er baut auf zwei Legislaturperioden grüner Stadtratsarbeit
auf, auf zahlreichen Initiativen aktueller und ehemaliger Stadträtinnen, die sich beharrlich für
dieses Thema eingesetzt haben und weiter einsetzen werden. Er zeigt, dass Haltung und Praxis
zusammengehen:
Beim Kommunalwahlkampf 2026 hat der Arbeitskreis Gleichstellung an
unterschiedlichen Veranstaltungen Taxigutscheine an Frauen* verteilt, eine wirksame Aktion,
die auf das Thema aufmerksam macht und Frauen für die „letzte Meile“ nach Hause unterstützt.
Sicherheit für Frauen ist am Ende keine Frauensache, sondern eine Frage davon, wie lebenswert
unsere Stadt für alle ist. Wir bleiben dran und freuen uns, wenn ihr mit uns hinschaut.
Mit grünen Grüßen,
Réka Lőrincz und Natalie Keller
Stadträtinnen, Bündnis 90/Die Grünen – Nürnberg